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30. August 2019

Healthcare Hackathon Mainz geht am 2.9.19 in Berlin in 2. Runde

Chancen der digitalen Medizin mit Gesundheitsminister Jens Spahn für Fachpublikum erlebbar – 3.9.19 Publikumstag

Der Healthcare Hackathon Mainz geht in Berlin in die zweite Runde; Foto: Astrid Bergmeister (Universitätsmedizin Mainz)

Wie verändert der digitale Wandel die Gesundheitsversorgung? Wie kann die Digitalisierung Abläufe in der Medizin erleichtern? Wie lässt sich Künstliche Intelligenz (KI) nutzen und als „Open KI“ schneller für alle verfügbar zum Einsatz bringen? Teams aus Pflegenden, Ärzten, Programmierern und anderen Experten vertiefen diese Fragen am 2. und 3. September 2019 bei der Fortführung des ersten „Healthcare Hackathon Mainz“ in Berlin. Zudem steht eine KI-Challenge auf der Agenda. Der erste Veranstaltungstag zielt mit Keynote-Vorträgen nationaler und internationaler Experten und einer Podiumsdiskussion auf das Fachpublikum. Zum Publikumstag am Dienstag, 3. September sind die Besucher ab 9:00 Uhr zu Vorträgen, einer Team-Werkschau und geführten Rundgängen eingeladen. Am gleichen Tag finden auch die Wettbewerbe der interdisziplinären Hacker-Teams sowie die Prämierung der Gewinner des Hackathons statt.

Nach der erfolgreichen Premiere des „Healthcare Hackathon Mainz“ im Frühsommer erreicht der „Schnellkochtopf für neue Ideen im Gesundheitswesen“ nun die nächste Stufe: Zehn der in Mainz angetretenen Teams entwickeln ihre Projektideen weiter, damit in naher Zukunft die Chancen der digitalen Medizin in konkreten Projekten realisiert werden können. Aus der Verknüpfung von Erfahrungen und digitalen Anwendungen ergeben sich in der Patientenversorgung neue Optionen: Erste praktische Anwendungen im Bereich der Logistik sowie der Mitarbeitereinarbeitung sind seit Kurzem in Mainz in Betrieb.

Vielversprechende, interaktiv-digitale Ideen und Lösungen für die Patientenversorgung

Die attraktive Mischung aus Entwicklungswettbewerb zur Medizin der Zukunft, digitaler Gesundheitsmesse, innovativen Expertenworkshops und einer Netzwerkplattform für Start-Ups in Mainz hat u.a. folgende fünf vielversprechende, interaktiv-digitale Ideen für die Patientenversorgung und Mitarbeiterentlastung hervorgebracht:

  • Pflegedokumentation per Gestensteuerung und Spracheingabe
  • „Bee“ – die App für eine interaktive Mitarbeitereinarbeitung
  • Ein Internet of Things (IoT)-Button für Entlastung der Pflege von Bestellprozessen
  • Künstliche Intelligenz als digitales „Drittes Auge“ für das Mikroskopieren
  • Big Data zur Schlaganfallprävention

Eine Möglichkeit, wie die Digitalisierung in der Pflege genutzt werden kann, zeigt das Projekt Pflegedoku per Gestensteuerung und Spracheingabe - digital unterstützte Pflege für mehr Zeit am Patienten. Das Projektteam hat sich folgende Frage gestellt: Wie lassen sich Prozessabläufe zur Dokumentation in der Pflege auch unter den Gesichtspunkten Hygiene und Ergonomie digital unterstützt vereinfachen? Ihre Antwort: Durch eine Adaption der von Spielkonsolen bekannten Gestensteuerung. Die Pflegekräfte können, beispielsweise ohne die Handschuhe auszuziehen, mit einer einfachen Geste die Dokumentation vornehmen. Das Team hat die Lösung bereits in Demopatientenzimmern erfolgreich getestet und zum Einsatz gebracht. Mit dieser Projektidee konnte das Team bereits in Mainz die Jury überzeugen, die es zum Gewinnerteam gekürt hat. In Berlin will die Projektgruppe am Thema weiterarbeiten und verschiedene andere Eingabemöglichkeiten wie Spracheingabe und kontaktlose Pulsmessung integrieren.

Das zweite Team hat auf dem Hackathon in Mainz die App Bee - die App für die beste Einarbeitung ever entwickelt, die eine interaktive Einarbeitung neuer Mitarbeiter mittels Videotutorials und Multiple Choice-Fragen realisiert. In Berlin geht es nun darum, das Einarbeitungstool weiter zu verfeinern.

Das Mainzer IoT-Team hat sich der praktischen Umsetzung von Anwendungen des "Internets der Dinge" (Internet of Things - IoT) auf den Gesundheitsbereich verschrieben. Das Team bearbeitet dazu einen logistischen Prozess, in dem die Digitalisierung der verschiedenen Schritte zur Entlastung der Pflege führt: Sogenannte VAC-Pumpen verbessern den Heilungsprozess durch das Absaugen des Wundsekrets mit Unterdruck. Das Ziel des IoT-Projekts ist, die Nachbestellung dieser VAC-Pumpen durch WLAN-unabhängige kleine kostengünstige IoT-Buttons zu realisieren. Die Technik hat das Potenzial, beispielsweise den herkömmlichen Bestellprozess zu ersetzen und kann schnell konfiguriert werden. An der Universitätsmedizin Mainz ist Ende Juli der IoT-Button für die VAC-Pumpe an den Start gegangen. Die Gruppe rund um die IoT-Buttons mit Feedbackfunktion berichtet in Berlin vom ersten praktischen Einsatz und zielt darauf ab, „Hands On“ die Technologie für weitere Anwendungsfälle zu konfigurieren. Die Gruppe hat sich mit ihren Arbeiten bis in die USA vernetzt, sodass nun sogar ein Mitglied des Brigham Digital Innovation Hub der Harvard Medical School das Team vor Ort in Berlin unterstützt. 

Wie Künstliche Intelligenz die Entscheidungsfindung bzw. die klinische Diagnostik von Tumorerkrankungen unterstützen kann, ist Thema eines weiteren besonderen Projekts aus Mainz. Das Projektteam zeigt, wie ein digitales „Drittes Auge“ als Navigator den Pathologen am Mikroskop unterstützt. Dieses digitale „Dritte Auge“ zeigt an, wenn sich Krebszellen unter dem Mikroskop befinden. Beim Hackathon in Berlin geht es darum, den Einsatz des Systems, bezogen auf den klinischen Kontext, weiterzuentwickeln. Das Team zielt darauf ab, zu klären, wie Qualitätsdaten zum Training von KI entstehen und wie KI für alle verfügbar und offen („Open KI“) gestaltet werden kann. Die Gruppe wird dazu ihre DSGVO-konform anonymisierten Projektdaten veröffentlichen und sich mit anderen Initiativen vernetzen, um die Trainingsdaten auch anderen Kliniken zugänglich zu machen. Das Projekt wird bereits jetzt vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert (Förderkennzeichen: 16SV8167). Es bildet auch die Ausgangsbasis für die KI-Challenge, bei der verschiedene spontan gebildete Teams beim Hackathon in Berlin innerhalb von zwei Tagen die Entwicklung eigener KI-Applikationen lernen sollen.

Thematisch ebenfalls an der ärztlichen Behandlung orientiert, ist das fünfte der Mainzer Projekte: Mit Big Data gegen Schlaganfall. Die Vorhofflimmern-Challenge – maschinelles Lernen in der kardiovaskulären Medizin. Im Fokus steht, den digitalen Befund eines Patienten mit Vorhofflimmern – der häufigsten Herzrhythmusstörung – anhand von Routinedaten zu analysieren. Dieser Vorgang wird als tiefe Phänotypisierung oder Englisch „Deep Phenotyping“ bezeichnet. Für die Challenge in Berlin stehen dem Team DSGVO-konform anonymisierte Routinedatensätze zur Verfügung. Das Ziel ist es, mit Methoden des maschinellen Lernens aus diesen Daten Modelle für eine bessere Charakterisierung und Klassifizierung von Vorhofflimmern sowie zur Vorhersage der Dauer des Krankenhausaufenthalts, der Rehospitalisationen oder des Auftretens schwerer Komplikationen abzuleiten. Der Ansatz ist bereits in Mainz zusammen mit dem Herzzentrum Leipzig (Helios Gesundheit) vorentwickelt worden. Beim Hackathon in Berlin geht es darum, aus diesem vielversprechenden Projektansatz „Open KI“ und eine Plattform weiterzuentwickeln.

 

Weitere Informationen:

Die Universitätsmedizin Mainz veranstaltet den Healthcare Hackathon gemeinsam mit dem Health Innovation Hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sowie verschiedenen hochrangigen Industriepartnern wie IBM, Intel, T-Systems, Google, Philips, Thieme und Siemens Healthineers.

Informationen sowie ein detailliertes Programm beider Tage können unter www.healthcare-hackathon.de eingesehen werden. Infos auch unter twitter.com/hlthhack und im Video.

 

Veranstaltungsort:

Kalkscheune, Johannisstraße 2, 10117 Berlin

 

Bildunterschrift: Der Healthcare Hackathon Mainz geht in Berlin in die zweite Runde;
Foto: Licht&Feder 2019

 

Pressekontakt:
Astrid Bergmeister, Stabsstelle Unternehmenskommunikation Universitätsmedizin Mainz
Telefon: 06131/17-8391, Fax: 06131/17-3496, E-Mail:  pr@unimedizin-mainz.de

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de.